Drei Mädchen in einer Schulklasse
Ein Erlebnis aus einer Grundschule am Bodensee – und darüber, wie Empfindsamkeit zu einer besonderen Stärke werden kann

Bin ich richtig mit meinen Empfindungen und Wahrnehmungen?
Diese Frage hat mich selbst viele Jahre begleitet. Ich wollte doch auch dazugehören und Teil meines Umfeldes sein. Deshalb hielt ich meine Empfindungen oft zurück und sprach nicht darüber, was ich fühlte oder wahrnahm. Schon als Jugendlicher erlebte ich meine Umgebung manchmal anders als die Menschen um mich herum. Lange zweifelte ich deshalb an mir und fragte mich:
Bin ich richtig, so wie ich bin? Darf ich meinen Wahrnehmungen vertrauen?
Wahrnehmen, fühlen und sich selbst vertrauen
Wenn ich mir erlaube, meine Gefühle und meine Umgebung bewusst wahrzunehmen, komme ich ganz bei mir an.
Diese Fähigkeit tragen wir alle in uns. Doch manchmal haben wir verlernt, ihr zu vertrauen. Vielleicht haben wir erfahren, dass unsere Empfindungen keinen Platz haben, dann oder wir halten sie zurück, weil wir dazugehören und nicht anders sein möchten.
Dabei kann gerade eine feine Wahrnehmung eine wertvolle Stärke sein.
Eine besondere Begegnung in einer Grundschule
An einem Projekttag durfte ich mit meinen Klanginstrumenten eine Grundschule am Bodensee besuchen.
In kleinen Gruppen hatten die Kinder die Möglichkeit, die Klänge und Schwingungen verschiedener Instrumente zu entdecken und auf ihre ganz eigene Weise zu erleben.
Dabei konnte ich beobachten, wie unterschiedlich die Kinder darauf reagierten: Ruhige Schülerinnen und Schüler wurden aufmerksam und neugierig. Lebhafte Kinder kamen plötzlich zur Ruhe und wurden ganz still. Die Klänge und Schwingungen erreichten jedes Kind auf eine andere, sehr persönliche Weise.
Zum Abschluss durften sich die Kinder – wenn sie es wollten – in eine große Bodenschale stellen und die Schwingungen mit dem ganzen Körper wahrnehmen.
Besonders berührt haben mich die Reaktionen von drei Mädchen:
Bei einem Mädchen erschien ein zartes, strahlendes Lächeln, wo zuvor noch ein trauriger Blick gewesen war. Ein anderes betrachtete erstaunt die Gänsehaut auf seinem Arm. Das dritte Mädchen rief voller Freude:
„Hier bin ich ganz. Ich gehe nicht mehr aus der Schale heraus!“
In diesen Augenblicken schienen die Mädchen etwas zu erleben, das sie tief im Inneren erreichte. Für einen Moment mussten sie nichts erklären, nichts leisten und sich an nichts anpassen. Sie durften einfach wahrnehmen, fühlen und ganz sie selbst sein.
Im anschließenden Gespräch erzählten mir die Lehrerinnen, dass gerade diese drei Mädchen den Schulalltag auf ihre eigene, besonders feinfühlige Weise erleben. Ihre Bedürfnisse und ihre Art der Wahrnehmung finden im gewohnten Schulrahmen nicht immer ausreichend Raum.
Für mich waren sie an diesem Tag nicht „anders“ im Sinne eines Defizits. Sie zeigten vielmehr eine besondere Empfindsamkeit – eine Fähigkeit, Klänge, Schwingungen und Stimmungen sehr intensiv wahrzunehmen.
Wer bin ich wirklich?
Was macht mich aus? Darf ich so sein, wie ich bin?
Genau diese Fragen begleiten viele Menschen – Kinder ebenso wie Erwachsene.
Ich selbst habe jahrzehntelang an meinen Gefühlen und Wahrnehmungen gezweifelt. Erst mit der Zeit durfte ich erkennen, wie wertvoll sie für mich sind. Heute weiß ich: Feinfühligkeit ist keine Schwäche. Sie kann ein innerer Wegweiser und eine besondere Stärke sein.
Diese Erfahrung möchte ich auch anderen Menschen vermitteln:
Du bist richtig, so wie du bist. Deine Gefühle dürfen da sein. Deine Wahrnehmungen gehören zu dir – und sie können ein wertvoller Teil deiner ganz eigenen Persönlichkeit sein.
Stefan Pons · Klangraum Bodensee
Eine erste Klangmassage lädt dazu ein,
sich selbst neu zu begegnen.
Mein Weg zurück zu mir hat mit einem einzigen Klang begonnen. Schreibe mir gerne, was gerade da ist bei dir und bewegt werden möchte.
Klangraum entdecken